Page 21 - 30 Jahre Stadtmarketing – Chronik
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Jüdischer Friedhof Görscheider Weg
erzählen und in den wichtigsten Vereinen von
Heiligenhaus. Mitglieder des Arbeitskreises, Gisela
Majert und Rolf Watty begleiteten sie, ebenso Ruth
Ortlinghaus. Die Begegnung aber animierte Ruth
Ortlinghaus, das Schicksal der Heiligenhauser
Juden zu erforschen. Ihre Ergebnisse veröffent-
lichte sie im Publikationsorgan des Heiligenhauser
Geschichtsvereins „Cis Hilinciweg Nr. 11“:
„Nur wenige überlebten in der Emigration –
Auf den Spuren der Heiligenhauser Juden.“
Im Jahrbuch des Kreises Mettmann. Journal 20
unter den gleichen Titeln
Beide Broschüren können im Heiligenhauser
Stadtarchiv ausgeliehen werden.
Der Arbeitskreis bot auch immer wieder Führun-
gen über den jüdischen Friedhof am Görscheider
Weg an. Hier waren vorwiegend jüdische Bürger
aus Kettwig beerdigt. Keine Blumen schmückten
die Gräber – nur wie bei den Juden üblich – lagen
Steine auf den Denkmalen, die eine völlig andere
Friedhofskultur zeigten. Erst seit der letzten Ge-
bietsreform gehört der Friedhof zu Heiligenhaus.
Auf Initiative des Arbeitskreises fanden sich 2006
junge Menschen im Alter von 17 und 18 Jahren, die
Zeitzeugen nach ihren Erlebnissen innerhalb der
Kindheit im Dritten Reich in Heiligenhaus fragen
sollten. Auch hier war nach Beginn der Naziherr-
schaft 1933 das kleine Dorf (1947 erst erhielt Heili-
genhaus die Stadtrechte) sehr schnell in der Hand
der Nationalsozialisten. Bei den Aufmärschen von
Jungvolk, SA und SS erklangen oft grölende Hetz-
paraden durch die Straßen, zunehmend gegen die
Menschen mosaischen Glaubens. Heulende Sire-
nen kündigten feindliche Flieger an. Unter Leitung
eines professionellen Filmemachers interviewten
und filmten die Jugendlichen sechs Stunden ältere
Heiligenhauser Bürgerinnen und Bürger, fragten
vor allem nach deren Kriegserlebnissen innerhalb
der Stadt. Die jungen Filmemacher erarbeiteten
aus den Aussagen – eingebunden in die Historie
der Stadt – einen 45-minütigen Film unter dem
etwas provozierenden Titel „Heil Heiligenhaus –
Kindheit und Jugend im Dritten Reich“. Entstanden
ist eine vielseitige und informative, aber auch
unter die Haut gehende Dokumentation. Diese
Symbiose mit Aussagen von Zeitzeugen und den
jeweils passenden Archivbildern gibt ein bewegen-
des und beklemmendes Bild des Dritten Reiches in
Heiligenhaus. Gisela Majert und Dr. Walter Kaiser,
beide Urheiligenhauser, die in ihrer Kindheit den
Krieg in Heiligenhaus erlebten, zeigten den Film
bei der Heiligenhauser Jugendfeuerwehr, den
weiterführenden Schulen und in vielen anderen
Institutionen, erzählten auch ihre eigenen Erleb-
nisse.
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